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Helfer-Nachwuchs in Topform | Drucken |
Mittwoch, 13. August 2008 um 00:46

Bensheim. Gasexplosion im Haus am Markt. Aus den Fenstern steigt Rauch. Das Gebälk knackt, die eingeschlossenen Menschen schreien um Hilfe. Im Café darunter bleiben die Gäste seelenruhig sitzen und ordern Cappuccino. Ein Großeinsatz aus nächster Nähe und dabei entspannt die Sonne genießen.

Alarm in der Innenstadt. Eine Inszenierung, die am Samstag zahlreiche Schaulustige auf den Marktplatz gelockt hat. Dieses eine Mal waren "Gaffer" allerdings ausdrücklich erwünscht: Nach vielen Jahren Pause wurde in Bensheim wieder eine gemeinsame Stadtjugendübung durchgeführt.

Die drei großen Hilfsorganisationen Feuerwehr, THW und DRK schickten ihren Nachwuchs vor, um die interne Koordination zu stärken und der Öffentlichkeit ihr Können zu präsentieren. Fazit: Die Jugend ist in guter Form. "Wir wollen die Zusammenarbeit künftig noch stärker betonen", sagt der Bensheimer THW-Jugendleiter Sascha Stein zwischen Einsatzfahrzeugen und konzentrierten Teilnehmern auf einem völlig abgeriegelten Marktplatz. Die Rückseite vom Haus am Markt ist für Fußgänger komplett abgesperrt.

Während sich die Feuerwehreinheiten ihren Weg ins Innere des Gebäudes bahnen, baut das THW in Windeseile eine 100 Meter lange Seilbahn zur Personenrettung auf, um Verletzte per Stahlseil schnell und gefahrlos über die steilen Treppen transportieren zu können. Die Kollegen aus Lampertheim transportieren weitere Personen über einen Leiterhebel auf sicheres Terrain.

"Eine Übung, die höchste Sicherheit erfordert", kommentiert Walter Fendel, Fachberater beim Technischen Hilfswerk. Das DRK hat ein Rettungszelt aufgebaut: Die mobile Sanitätsstation zur Behandlung der Katastrophenopfer. Das Team hat alle Hände voll zu tun.

Gleich nebenan sichert das THW Heppenheim die Löschwasserversorgung. Teile der Lauter werden in zwei 3000-Liter-Behälter gepumpt. Die Jugendfeuerwehren aus Bensheim-Mitte sowie aus Schönberg, Wilmshausen, Schwanheim und Auerbach arbeiten Hand in Hand. Im ersten Stock vom Haus am Markt schaut die Übungsleitung ganz genau hin: Von hier aus wird alles koordiniert, werden die Einsatzfahrzeuge gerufen und auf dem Marktplatz positioniert.

Bei einem Rundgang inspizieren Wehrführer Hans Förg von der Feuerwehr Bensheim-Mitte und Stadtbrandinspektor Willi Plaschke die Aufstellung und Kooperation der jungen Kameraden. Mittlerweile ist die Drehleiter ausgefahren, zwei Feuerwehrleute sondieren die Lage aus der Vogelperspektive. Die Personenrettung läuft auf Hochtouren. Vorsichtig, aber zügig werden die Verletzten aus dem Gebäude geschafft und in sicherer Entfernung medizinisch versorgt.

Das Publikum auf dem Marktplatz fährt zusammen, als ein gewaltiger Donnerschlag aus den Lautsprechern dringt. "Decke eingestürzt", meint einer aus der Jugendfeuerwehr. Eine Puppe wird den Brand nicht "überleben". Zwischen Platanenallee und Klostergasse stehen über ein Dutzend Einsatzfahrzeuge aller Hilfsorganisationen. In den Fenstern der benachbarten Häuser haben es sich die Bewohner mit Kissen gemütlich gemacht. Notfalltraining live und ungeschnitten. Wenn was schief geht, geht es schief.

Auffällig ist die Freundlichkeit der jungen Teilnehmer, wenn Zuschauer im Weg herumstehen. Es ist halt kein Ernstfall. Den Beteiligten macht das Training sichtlich Spaß. Das Haus am Markt raucht weiter.

Ein Beobachter in Zivil kommentiert das Schauspiel: "Die Jungs machen das erstklassig. Aber ich würde es brennen lassen". tr

Bergsträßer Anzeiger
11. August 2008
 
 
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